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Morgenstund

Heute ganz früh ist ein Engel im Haus. Er sitzt schon am Tisch, als ich verschlafen aus dem Bad geschlurft komme.

"Tee?", fragt er und springt auf.

Ich vermag nur zu nicken und sinke erstaunt auf einen Stuhl. Ich beobachte den Engel, wie er den Wasserkocher füllt, Tee ins Sieb gibt, die Kanne vorbereitet und aus dem Schrank zwei Becher auf den Tisch stellt. Als hätte er das schon hundert Mal getan - in meiner Küche.

Es bleibt still. Keine Gespräche, kein Radio, nur das brodelnde Wasser und die Geräusche der Geschäftigkeit des Engels. Mein Staunen weicht einer achselzuckenden Akzeptanz. Ich lehne mich auf dem Stuhl zurück, atme tief den neuen Tag ein. 

Endlich kommt der Engel mit der Teekanne zum Tisch, schenkt uns ein und setzt sich schweigend neben mich. Gemeinsam Tee trinkend blicken wir aus dem Fenster, sehen dem Tag beim Werden zu, folgen mit dem Blick dem Ziehen der rot getünchten Wolken und den Bahnen der Vögel im Garten.

Still ist es um mich, friedlich in mir.

Geschenke Zeit am Morgen.

Eine halbe Stunde nur für mich - mit Engel.

Welch ein Segen.

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