13. Januar 2020
Ich glaube, dass es einen Ort irgendwo im Universum geben muss, an dem sich alle Dinge treffen, die mir verloren gegangen sind. Ich glaube, es ist gar nicht immer nur so, dass ich sie verbussele. Vielmehr glaube ich, es zieht sie zueinander und sie sitzen dann da irgendwo gemeinsam und lachen sich kringelig, während ich nach ihnen suche. Ich glaube, dass unerledigte Herausforderungen aus dem alten Jahr auch in diesem Jahr weiter an meine Tür klopfen und keine Ruhe geben werden, bis ich ihnen...
24. Dezember 2019
Wer mit mir zur Krippe kommt Melodien begleiten mich - nicht nur Weihnachtslieder, sondern alle Töne des Lebens: die der Freude, der Trauer, der Verzweiflung, aber auch des Triumphs und der Euphorie. Außerdem bringe ich meine Träume mit. Die geplatzten lege ich ab, ich muss sie nicht weiter tragen. Die hoffnungsvollen Träume erleuchten den Stall. Meine Ideale sind auch dabei. Wie große Sterne funkeln sie in der Nacht. All meine Lieben stehen an meiner Seite. Sie begleiten mich, wohin mein...
23. Dezember 2019
Herr, es ist Zeit, der Advent geht vorbei. Leg deinen Schatten auf alles Unerledigte, auf dass ein entspanntes Fest es sei. Befehl dem Eifer nun auszuruhen; lass Ruhe einkehr'n und Segen, es bleibt nichts weiter zu tun. Wer jetzt nicht dem Stern folgt, wird es womöglich bereuen. Wer jetzt nicht Ausschau hält, könnte die Engel verpassen, muss suchen, fragen und kann sich nur berichten lassen von der Menschwerdung des getreuen Gottes, der so nah kommt, als könnt' man ihn fassen. Meine Version...
22. Dezember 2019
Der Weihnachtsmann kommt wie immer als letzter. Weil er so viel zu tun hat. Angeber. Die Engel sind schon beim dritten Glühwein. Die nimmst sowieso keiner ernst. Jesus trinkt auch einen. Das irritiert immer noch alle. Zu Weihnachten soll er wieder Kind sein. Maria muss enthaltsam bleiben. Deshalb hat sie alle Jahre wieder schlechte Laune. Das Christkind kämmt sein Haar. Aus ihm wird keiner schlau. Was hat es eigentlich in der ganzen Geschichte zu suchen? "Prost", ruft wer, und dann stoßen...
21. Dezember 2019
Was ich mit Weihnachten verbinde: Kirche und Glocken. Maria und Josef. Krippe und Esel. Stall und Stroh. Jesus und Gott und den Heiligen Geist. Hirten und Schafe. Könige und Machthaber. Kekse und Eierlikör. Aufbruch und Neubeginn. Orgel und Flöte. Dunkelheit und Geborgenheit. Kerzen und Licht. Geschenke und Beschenkte. Vergebung und Gnade. Barmherzigkeit und Mitgefühl. Lieder und singen. Zuhören und nachspüren. Versprechen und Vertrauen. Angst und Zuspruch. Stern und Baum. Kinder und...
20. Dezember 2019
Sehr geehrtes Jahr, nach reiflicher Überlegung und hinreichender Probe möchte ich folgende Dinge zurück geben: einen Haufen unnötiger Sorgen eine Handvoll Arzttermine (sie haben weder Klärung noch Linderung gebracht) die zugelegten Kilos (sie stehen mir einfach nicht) unzählige dumme, sexistische, vorurteilsbehaftete Sprüche, denen ich in einigen Situationen ausgesetzt war unbegründete Ängste (wobei ich die begründeten auch gern los wäre ...) 12 schlaflose Nächte 5 oder 6...
19. Dezember 2019
M. zwirbelt eine Strähne ihres lockigen Haars und sieht den Fremden nachdenklich an. "Nein", sagt sie. "Ich will nicht." Er stutzt. "Wie meinst du das? Ein Nein ist nicht vorgesehen." "Ich meine, ich möchte lieber nicht. Ich habe andere Pläne, verzeihen Sie." Die Zeiten haben sich geändert, denkt der Fremde. Er geht hinaus. Wen, überlegt er, werde ich jetzt finden? Er berät mit seinen Kollegen, was nun zu tun sei. Nach einigem Erstaunen, viel Ratlosigkeit und auch mancher Empörung ob des...
18. Dezember 2019
Wenn es ganz dunkel wäre, so dunkel, dass niemand mich sähe, kein Mensch, kein Stern, kein Auge in der Nacht, auch nicht mein eigener Schatten - wenn es so dunkel wäre, dann würde ich heimlich ... ... ein Licht anzünden und alle einladen, die wie ich nicht gern im Finstern sind. Wir würden uns um das Licht setzen und uns voneinander erzählen. Und während wir nur Schemen der Gesichter und Gestalten erkennen könnten, wären wir alle vertraut miteinander, allein durch das Licht und die...
17. Dezember 2019
Im Jahr 1952, als Fritz aus der Gefangenschaft endlich nach Hause kam und den Platz neben seiner Ehefrau Elsa wieder einnahm, pflanzt er im winzigen Garten hinter dem Haus, das schon seinen Urgroßeltern gehört hatte, drei Bäume: einen Apfelbaum zur Geburt ihres Sohnes Hannes (dass der schon zehn Jahre alt war, störte Fritz nicht). Eine Eiche, in deren Stamm er seine und Elsas Initialen ritzte, sowie zwei Daten: ihr Hochzeitsdatum und den Tag seiner Rückkehr. Der dritte Baum war eine...
16. Dezember 2019
"Woher kommt ihr, wohin wollt ihr?", fragt man uns. "Wir haben den Stern gesehen. Er zeigt uns etwas, das ist größer als alles." "Was kann schon größer als alles sein?" "Die Sehnsucht", sagen wir. "Die Sehnsucht kann man nicht greifen." Wir widersprechen: "Die Sehnsucht ist ein Kind, das beschützt werden will. Die Sehnsucht ist nackt und sie schämt sich nicht. Die Sehnsucht wartet, wo wir nichts erwarten." Sehsucht ist die große Schwester der Hoffnung. Sehnsucht ist wie ein Iron Man...

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