Gott ist müde.
Die Fragen und Aufgaben nehmen kein Ende. Unzählige Gebet erreichten ihn allein in der letzten Stunde. Die Frage der Menschen nach dem „Warum“ klingt täglich drängender. Sie reicht von „Warum regt die Mama sich so auf, wenn ich mir eine Murmel in die Nase stecke?“ über „Warum verstehen die Menschen die Dringlichkeit des Schutzes unserer Lebensgrundlage nicht?“ bis hin zu „Warum fällt Wladimir nicht einfach tot um?“
Gott hätte Antworten. Doch er ist sicher, sie zögen nur neue Fragen nach sich.
Und wo soll das am Ende hinführen?
Selbst die Engel - ahnt er - sind manchmal überfordert. Das merkt er daran, dass sie neuerdings ihr Aufträge bis ins kleinste Detail hinterfragen.
Gott spürt, dass seine Schöpfung sich nach einfachen Antworten sehnt, die endlich all der Fragerei und Unsicherheit ein Ende bereiten würden. Dabei hat er sich bei der Vielfalt und Diversität damals extra viel Mühe gegeben.
Gott seufzt. Er kann nicht leugnen, dass mittlerweile ihn selbst manche Fragen plagen. Davon erzählt er niemandem. Es könnte sein Image der Allmächtigkeit beschädigen.
Doch Gott wäre nicht Gott, wenn er für sein Problem nicht eine Lösung gefunden hätte.
Wann immer er nun das Gefühl hat, von Fragen überrollt zu werden, setzt er sich in seinen Sessel, nimmt die Katze auf den Schoß, krault sie ausgiebig hinter den Ohren und lauscht ihrem beruhigenden Schnurren.
Die Katze ist in solchen Momenten die beste Gesellschaft, denn Gott weiß, in ihrem Kopf schwirrt nur eine Frage: „Wann es gibt es was zu Fressen?“


Kommentar schreiben