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Das Gasthaus Advent

Das „Gasthaus Advent“ gehörte einst zu den angesagtesten Event-Locations. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Gäste, auf der Suche nach dem Besonderen. So wurde das Angebot stetig erweitert. 

 

Das Gasthaus war unterteilt in Themenräume. Die „Tiroler Stube“ wartete mit Gaudi auf (Zutritt erst ab 18), in der Weihnachtsbäckerei roch es nach Zimt und Anis, während fröhliche Lieder aus großen Boxen dudelten (Ohrstöpsel gegen Gebühr von 5 Euro erhältlich). Im Themenraum „Nordpol“ flirrte künstliches Polarlicht an der Decke (Achtung: kann epileptische Anfälle auslösen). Der „Winterwald“ war gemütlich ausgestattet und mit naturidentischen Nadelbäumen versehen. Gegen die Kälte wurden Wolldecken gereicht (10 Euro Pfand plus gegebenenfalls Reinigungskosten). Die „Bastelstube“ war übervoll mit kreativen Unikaten, Tipps und Designideen (Fotografieren verboten!). Im „Büro des Weihnachtsmannes“ gab es Geschenke für die Braven – aber auch die Rute auf das Hinterteil für alle anderen (Einverständniserklärung unterschrieben am Eingang abgeben!). 

 

Täglich schoben und drängten sich die Menschen durch Flure und Räume des beliebten Gasthauses. Gerüchten zufolge gab es auch einen „Raum gegen die Einsamkeit“, der allerdings im Keller lag und nur wenig aufgesucht wurde. 

Zuletzt fand man dort den Betreiber des Gasthauses,  versunken in Depressionen und mit Symptomen einer Angststörung. 

 

Seither hat der Eigentümer das Gasthaus übernommen und betreibt es von nun an selbst. Als Erstes hat er allerlei Veränderungen vorgenommen: Er riss Mauern und Wände ein, entfernte Kitsch und Krempel, löschte Bedingungen und Preisschilder. Das Gasthaus besteht nun nur noch aus einem großen Raum, in dessen Mitte eine Kerze leuchtet und gemütliche Kissen, Sofas, Hängematten und Schaukeln zum verweilen einladen.

 

Es ist ruhig geworden im „Gasthaus Advent“, obwohl noch immer viele Menschen kommen. 

Statt Event finden Sie nun sich selbst – und andere. 

Manchmal hört man sie gemeinsam singen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Iris (Dienstag, 02 Dezember 2025 16:32)

    Welch ein schöner Ort - Das Gasthaus Advent. Oft ist weniger so viel mehr. Danke für den Text, Andrea.