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Vorbereitungen eines Engels

Xaver schenkt sich einen Kaffee ein, gießt einen Schuss Milch dazu und setzt sich an den Küchentisch. Vor ihm liegen sein Kalender, ein Notizblock, Bleistift und Lesebrille. Xaver mag es, gut vorbereitet zu sein und plant die letzten Tage bis Weihnachten akribisch genau. Er schiebt die Brille auf die Nase, schlägt den Kalender auf und beginnt zu murmeln: 

Einkauf am Montag, die Liste ist schon fast fertig … Friseurtermin am Dienstag, nachmittags zum Zahnarzt. Gut nur, dass der Chef mir meine letzten Urlaubstage genehmigt hat. Karten schreiben immer abends, zwei oder drei … Ah ja, die Menzels habe ich noch vergessen (er notiert den Namen auf seinem Block.) Plätzchen backen am Mittwoch (kurzer Blick zur Einkaufsliste an der Pinnwand) - genau, alle Zutaten für den Einkauf sind schon notiert. Donnerstag die Wäsche waschen, damit sie rechtzeitig trocken, zusammengelegt und im Schrank verstaut ist. Abends zum Bingo gehen. Wie gut, dass das nicht ausfällt, wie das Schwimmen am Montag. Das wird mir fehlen – vor allem dem Rücken. Na gut, muss ich eben öfter meine Dehnübungen machen (Vermerk auf dem Notizblock mit Ausrufezeichen!) Am Freitag die letzten Besorgungen machen und die Geschenke verpacken. Letzte Karten schreiben, die Blumen gießen, Betten beziehen. Am Wochenende den Baum vorbereiten und die Geschenke bereitlegen. Ein letztes Mal zur Post und dann vorkochen, alles eintuppern und im Kühlschrank verstauen. Die Beschriftungen darf ich nicht vergessen, sonst stehen die Kinder davor und wissen nicht, wer was essen darf oder mag. Ein bisschen schade ist es ja schon, dass ich nicht da sein werde, wenn sie nach Hause kommen. Und sie werden es auch nicht verstehen, mir vielleicht sogar übel nehmen. Darum habe ich vorher extra nichts gesagt. Auch, damit sie es mir nicht ausreden können. Und vielleicht folgen Sie ja meinem Vorschlag und kommen am Sonntag zum Kaffeetrinken vorbei. Das würde mich sehr freuen. Und Frau Bliepsch hat sicher auch nichts dagegen. Vor allem, weil sie so dankbar ist, dass sie diese Tage, da ihre Pflegerin nicht kommen kann, nicht ins Pflegeheim muss. Ich kann gut verstehen, dass sie lieber zu Hause ist und Angst hat, gerade diese Tage allein in fremder Umgebung zu verbringen. Darum habe ich ihr ja angeboten, einige Zeit in ihr Gästezimmer zu ziehen und mich um sie zu kümmern. Wir werden es uns schon nett machen. Jetzt muss ich nur noch die richtigen Worte für die Nachricht an meine Kinder finden. 

 

Xaver nimmt einen Schluck Kaffee, atmet tief ein, reißt ein Blatt von seinem Notizblock und beginnt zu schreiben.

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