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Vielleicht ...

Vielleicht weht heute ein Sturm durch die Küche von Frau Bliepsch. Das Fenster springt auf und mit einem kühlen brausen bringt er ihr Leben auf Trab. 

Zuerst wehen alle Verordnungen, Diagnosen, Tabletten und Therapiepläne vom Tisch. In einer wilden Jagd schweben dicht beschriebene Blätter zu Boden, bunte Pillen fallen wie Konfetti dazwischen. Dann erfasst der Sturm Frau Bliepsch selbst. Alles Starre, Gelähmte, Erschütterte und Festgefahrene wird weggeblasen. Es rüttelt und klappert, es ruckelt und zischt. Ein Riesengetöse. Als es danach ganz still wird, liegt ein Lächeln auf Frau Bliepschs Lippen. Ohne Zögern – als wäre es nie anders gewesen – erhebt sie sich aus ihrem Rollstuhl und greift nach den Händen von Xaver Stölzner. Denn selbst die Angst und Scham sind fortgeblasen. 

Auch bei Xaver, dem der Sturm als letztes in die Glieder fegt. Er umfasst Frau Bliepsch zärtlich und beginnt, mit ihr durch die Küche zu tanzen. Die beiden lauschen einer Musik, die nur sie hören können. Den Takt gibt der Sturm vor. Wie in einem Wirbel aus Luft und Liebe tanzen sie – Konfetti zu ihren Füßen. Als der Sturm verebbt endet die Magie und mit ihr der Tanz. Doch am Abend sitzen Xaver Stölzner und Frau Bliepsch gemeinsam in der Küche, lächeln sich an und sind aufgeplustert vor Glück.

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