Glühwein

„Ich nehme hinweg der Welt Sünde“, sagt Jesus und ich frage: „Was?“

„Ich weiß auch nicht“, murmelte er und nippt an seinem Glühwein. Er sieht ratlos aus.

„Ich übe meinen Text“, erklärt er. Ich nicke und trinke. „Aber er gefällt mir nicht.“

Aus der Nachbargruppe weht Lachen herüber „Immer diese Schwere. Sollte Erlösung nicht leicht sein?“

Mit Erlösung kenne ich mich nicht so aus, dabei würde ich ihm gerne helfen. Es tut mir leid wie er da steht, gequälter Blick und gebeugtes Haupt.

„Was würdest du denn gern sagen?“

 

„Vergebung der Sünden -

Erlösung -

Gnade -

all das sind so sperrige Begriffe, die ihr nicht mehr hören wollt, weil ihr so ungern Fehler zugebt. Ihr wollt immer alle fehlerlos, unabhängig, selbstbestimmt und euch selbst genug sein. Und innen drin spürt ihr genau, dass es nicht stimmt. Dass es Dinge gibt, für die ihr euch schämt und die ihr echt in den Sand gesetzt habt. Dass ihr euch gar nicht immer selber leiden könnt und euch manchmal Löcher in den Bauch ärgert, weil ihr über die eigene Unsicherheit gestolpert seid.

Und genau dann will ich zu euch sagen: Kommt her zu mir. Bei mir müsst ihr euer Unbehagen nicht weglächeln, eure Verfehlungen nicht vertuschen, euren Neid nicht verheimlichen und eure Angst nicht überspielen. Bei mir könnt ihr sein, wie arg es auch gerade ist und ich helfe euch aus diesem Gefühl heraus, wenn ihr mich lasst. Und ich zeige euch, wie groß(artig) ihr euch in Gottes Liebe fühlt. So dass es euch letztlich sogar gelingen kann, euch selbst zu lieben, obwohl ihr nicht fehlerfrei, unabhängig und selbstbestimmt seid. Und ich zeige euch, dass es völlig ausreichend ist, ihr selbst zu sein – wenn ihr bereit seid, allen anderen die gleichen Schwächen zuzugestehen und aus den eigenen Fehlern zu lernen.

Aber das geschieht von ganz allein, wenn ihr nur einmal dieses Gefühl der Vergebung und Erlösung in euch selbst zugelassen habt!

Ich werde nicht müde, es euch immer wieder zu sagen:

Traut euch, hört und spürt hin und ihr werdet erkennen, welche Leichtigkeit in meiner Botschaft steckt!"

Der Glühwein in meinem Becher ist kalt geworden, so gebannt habe ich zugehört. Und während ich eine leise Ahnung davon bekommen habe, was Jesus mit Erlösung meint, ist ein Lächeln auf sein Gesicht getreten. Er sieht nicht mehr gequält aus, sondern schaut mich aufmunternd an.

Ich räuspere mich und sage: „Den Text solltest Du nehmen. Mir gefällt er."

 

inspiriert durch das Advents-Schreibexperiment von Susanne Niemeyer *freudenwort

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